Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 1

Während Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen durch sein Dasein als Auftakt der Saga und Einführung in die Welt von Bella und Edward bestach, überzeugte mich New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde durch seine technischen und filmischen Fortschritte im Vergleich zum ersten Teil. Eclipse - Bis(s) zum Abendrot hauchte der erfolgreichen Reihe einen gewissen nötigen Hauch Dunkelheit und Gefahr ein, glänzte aber ebenfalls wie sein Vorgänger durch seine geschickte Machart. Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 1 vereint all das, was die ersten drei Filme ausgezeichnet hat, und entlässt den Zuschauer sehr gekonnt in eine einjährige Pause, ehe die Saga ein Jahr später ihren großen Abschluss feiern darf.

Mit der Verfilmung des letzten Buches der Reihe entschied man sich nämlich, nicht nur ein, sondern gleich zwei neue Kapitel aufzuschlagen. Das Buch wird geteilt und in zwei einzelnen Filmen behandelt. Ein Raunen seitens der Fans war bei der Verkündung dieser Entscheidung unüberhörbar. War dieser Schritt sinnvoll oder einfach nur eine ergriffene Möglichkeit, noch mehr Gewinne einzufahren? Ich bin sehr erleichtert, ersteres bestätigen zu können.

Ein humorvoller Wiedereinstieg ins Geschehen zeigt die (noch) sterbliche Bella (Kristen Stewart) und ihren (ausnahmsweise) sorgenfreien Bräutigam Edward (Robert Pattinson) in den Hochzeitsvorbereitungen, nachdem die Einladung zum im Teaser-Trailer angekündigten Ereignis, das alles verändern wird, vor allem bei Jacob (Taylor Lautner) auf eine wutentbrannte Reaktion gestoßen ist.

Die Leichtigkeit und nicht zuletzt Charlies (Billy Burke) altbekannter Charme sorgen für viele Lacher im Publikum, ehe sich ein gerührtes Seufzen durch den Kinosaal zieht und Bella an der Seite ihres Vaters den Gang zum Altar antritt. Auf Kitsch und Prunk wird bei der Hochzeit keinesfalls verzichtet, in Anbetracht der Tatsache, dass in der Geschichte zum großen Teil Alice (Ashley Greene) für die Planung des wahrscheinlich wichtigsten Tages in den Leben der beiden Protagonisten verantwortlich ist und man sich dessen beim Dreh offensichtlich sehr bewusst war. Das beweist eine Szene, in der sich Bellas Freunde über die Größe der Hochzeitstorte lustig machen.

In den Flitterwochen wendet sich das Blatt jedoch rasch. Nach anfänglichem Frohsinn über den Beginn ihres neuen Lebensabschnitts und das erste Mal wird Bella bewusst, welche Ausmaße die ansprechend inszenierte Hochzeitsnacht mit Edward hat. Sie ist schwanger - und damit nimmt das eigentliche Geschehen seinen Lauf. Der Phötus beginnt, Bella von innen zu zerstören. Von hier an wird der Film weitaus düsterer und im Nachhinein hat man das Gefühl, Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 1 wäre in sich selbst gewissermaßen zweigeteilt. Während die Situation für die Cullens immer aussichtsloser wird und nur noch Bella, die sich nun offiziell zur Familie zählen darf, Hoffnung zu haben scheint, hat Bellas Schwangerschaft auch Auswirkungen auf die Gestaltwandler. Es kommt zu einer schwerwiegenden Meinungsverschiedenheit zwischen Jacob und Sam (Chaske Spencer), durch die Jacob sich vom Rudel trennt und kurz darauf seinerseits eher unfreiwillige Gesellschaft von Seth (BooBoo Stewart) und Leah (Julia Jones) erhält. Gemeinsam mit den Cullens versuchen sie, einen Angriff der Gestaltwandler zu vermeiden.

Hier verliert der Film auf halber Strecke leider unnötig an Geschwindigkeit, kommt jedoch rechtzeitig wieder in Fahrt, um den Zuschauer mit einem selbst für Leser der Buchvorlage unglaublich ergreifenden Endspurt zu überzeugen. Gerade noch rechtzeitig merken die Cullens, wonach es dem von Edward anfänglich als "Ding" bezeichneten Phötus im wahrsten Sinne des Wortes durstet. Szenarien, die einen beim Lesen des Buches zwar nicht kalt gelassen haben, man sich aber trotzdem nicht so detailreich ausgemalt hat, eröffnen sich von nun an. Eine durch einen Strohhalm Menschenblut trinkende Bella, die durch CGI-Effekte und eine gehörige Portion Make-up unvorstellbar geschwächt hergerichtet wurde, lässt mich keinesfalls im negativen Sinne fragen, wie diese Szenen es noch in den Film geschafft haben, ohne unter Berücksichtigung der angestrebten FSK-12-Freigabe herausgeschnitten worden zu sein.

Doch damit nicht genug. Im Finale des Films sehen wir nicht nur, wie Bellas Wirbelsäule bricht und sie in sich zusammenfällt, die gesamte Geburt wurde detailgetreu und außerordentlich dramatisch eingefangen. Genauer kann und möchte ich auf das Geschehen an dieser Stelle jedoch nicht eingehen. Eines sei jedoch gesagt: Der Aufschrei, der Film müsse ab 16 Jahren freigegeben sein, um nichts zu verharmlosen, war offensichtlich unberechtigt.

Auch, wenn der Film nicht unverzüglich nach der Geburt endet, muss ich ein großes Lob für das Ende und dessen Positionierung aussprechen, ohne zu verraten, an welcher Stelle Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 1 mit einem letzten Wow-Effekt die einjährige Wartezeit auf den Abschluss der Saga einläutet. Doch auch nach der Geburt überzeugt der Film noch einmal durch einige tolle Aufnahmen und Effekte. Und falls der reizvolle Abspann nicht Grund genug sein sollte, im Kino sitzen zu bleiben, weise ich auf einen sehr unterhaltsamen und amüsanten Appetithappen auf Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 2 nach der Nennung der Darsteller hin.

Die Highlights des Films sind für mich der Anfang, der den Zuschauer nach langem Warten auf die Fortsetzung der Saga unverzüglich mitreißt, und das Geschehen ab der Geburt der kleinen Renesmee - auch, wenn sich alles, was dazwischen stattfindet, keinesfalls im Mittelmaß bewegt. Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 1 setzt ungeahnte neue Maßstäbe in der Geschichte der Twilight-Saga - und das sicher nicht nur an den Kinokassen.