Hourglass

Die siebzehnjährige Emerson Cole glaubt, sie sei nicht bei Verstand. Ganz unbegründet ist diese Annahme nicht, denn seit kurz vor dem Tod ihrer Eltern kann Emerson Geister sehen. Nach einem längeren Aufenthalt in einer Klinik wird sie in die Obhut von Thomas, ihrem Bruder, und seiner Frau Dru übergeben. Emerson versucht, wieder in die Normalität zurückzukehren, setzt dennoch ihre Medikamente ab. Seit langem sucht Thomas krampfhaft nach Hilfe für sie und stellt ihr immer neue Scharlatane vor, die Heilung versprechen. Seine neueste Hoffnung heißt Michael Weaver und Emerson ist Thomas zuliebe gewillt, dem geheimnisvollen Fremden zuzuhören.

Nun ja, Thomas zuliebe und aufgrund von Michaels unglaublich gutem Aussehen. Michael behauptet, für eine geheime Vereinigung namens "Die Sanduhr" zu arbeiten. Des Weiteren erklärt er ihr, dass sie eine besondere Gabe besitzt, und dass sie keine Gespenster sieht, sondern sogenannte Time Ripples (zu Deutsch: Zeit-Riffel), Persönlichkeiten, die zu ihrer Lebzeit die Welt geprägt haben. Die Sanduhr hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen wie sie zu fördern, ihre Existenz zu schützen und ihr Geheimnis zu wahren. Obwohl Emerson glaubt, was er sagt, vertraut sie Michael nicht ganz und versucht eigene Nachforschungen über ihn und die Organisation anzustellen, was sich als ziemlich schwierig erweist.

 

Hourglass von Myra McEntire hat ein sehr interessantes Cover, auf die Handlung im Buch trifft das leider nicht ganz zu. Das an sich sehr umstrittene Thema Zeitreisen würde durch die Berufung auf Magie Fragen sofort im Keim ersticken. Da sich McEntire in Hourglass jedoch keinerlei Zauberei bedient, wäre es besser gewesen, sie hätte mit der Veröffentlichung ein wenig gewartet und sich zum Beispiel näher mit Nowikows Selbstübereinstimmungsprinzip befasst. Schließlich kann ein solches Thema so viel Raum für Spekulationen bieten, solange der Autor nur eine gute Grundlage inszeniert. Andererseits konzentriert sich McEntire sowieso mehr auf die Funken (Das ist wörtlich gemeint.), die zwischen Emerson und Michael sprühen, so dass der paranormale Aspekt zur Nebensache wird.

Die Entwicklung der Charaktere enttäuscht auch ein wenig. Emerson ist zu Beginn eine selbstbewusste, intelligente, witzige junge Frau, die trotz, oder gerade aufgrund ihrer sehr traurigen Vergangenheit erhobenen Hauptes durchs Leben geht. Sobald sie jedoch Michael kennenlernt, neigt sie stark zu Dummheiten und wird zur Sklavin ihrer rosa Brille. Michael ist ein irre gutaussehender (Zumindest behauptet Emerson das bei jeder sich bietenden Gelegenheit.), geheimnisvoller Gentleman, der bereit ist, edelmütig sein Leben für das von anderen zu opfern. Leider sind die Gründe für seine heldenhafte Aufopferung absolut nicht nachvollziehbar, in Anbetracht der Möglichkeiten, die die Mitglieder der Sanduhr haben. McEntire beschreibt Michael oberflächlich, was Emerson in ihm sieht, ist für den Leser nicht wirklich nachvollziehbar. Andere Charaktere waren der Autorin zwar wichtig genug, um sie vorzustellen und kurz einige ihrer Hintergrundgeschichten zu erläutern, bleiben jedoch einfach nur Lückenfüller.

In McEntire steckt vermutlich sehr viel Talent, doch die Autorin muss noch viele Riffel ausbügeln und ganz sicher tiefer in die Trickkiste greifen, um überzeugen zu können. Die Fortsetzung soll im kommenden Jahr erscheinen. Laut McEntire wird Hourglass in der Verlagsgruppe Random House auf Deutsch erscheinen, über den Zeitpunkt der Veröffentlichung ist uns leider noch nichts bekannt.

Update am 28.10.2011: Soeben ist bekannt geworden, dass Fox und der Produzent John Davis sich der Verfilmung von Myra McEntires Hourglass annehmen werden.

Update am 28.11.2011: Myra McEntires Roman wird inzwischen im Goldmann Verlag unter dem Titel Hourglass- Die Stunde der Zeitreisenden aufgeführt und soll ab 15. Mai 2012 als Taschenbuch erhältlich sein.