Wither

Eine Zukunft frei von Krankheiten - darauf hat die Menschheit hingearbeitet. Mittels Genmanipulation ist es gelungen, den nächsten Generationen ein gesundes Leben zu ermöglichen. Nach Jahren jedoch stellt sich heraus, dass dieser Eingriff in die Natur fatale Folgen haben soll. Nur wenige Generationen später ist unsere Spezies vom Aussterben bedroht, denn der Tod ereilt die Erben, noch bevor sie wirklich gelebt haben - Frauen im Alter von zwanzig Jahren, Männer mit fünfundzwanzig. Die Versuche der ersten Generationen, diesen Gendefekt zu korrigieren, scheitern und niemand glaubt mehr an eine Heilung. Die Töchter und Söhne dieser Welt leben nicht nur ohne langfristige Ziele und Träume, sondern auch überwiegend in Armut und auch großer Gefahr. Da die Frauen so jung sterben, wird gezielt auf Mädchen Jagd gemacht, die im gebärfreudigen Alter sind.

Auch die 16-jährige Rhine Ellery wird eines Tages zum Entführungsopfer. Sie weiß um die Existenz der Sammler, die Mädchen als Bräute, oder besser gesagt Gebärmaschinen, an reiche Männer verkaufen. Schon einmal brachen sie in dem Haus, das sie und ihr Zwillingsbruder bewohnen, ein, doch Rowan konnte sie damals beschützen. Dieses Mal war Rhine unvorsichtig und ist nun auf sich allein gestellt. Sie gehört zu der Ladung voll Mädchen, die gefangengenommen wurden, um dem Sohn des wohlhabenden Arztes Vaughn Ashby als heiratswillige Ware präsentiert zu werden. Dass Rhine eine von Dreien ist, die Vaughns Sohn Linden aussucht, rettet ihr das Leben. Doch wie viel ist ein Leben in Gefangenschaft noch wert?

 

Beinahe sofort beginnen die Vorbereitungen für die Hochzeit, und während die dreizehnjährige Waise Cecily es kaum erwarten kann, Lindens Frau zu werden, und die achtzehnjährige Jenna, sich unglücklich, jedoch völlig widerstandslos ihrem Schicksal ergibt, schmiedet Rhine längst Fluchtpläne. Sie will alles tun, um zu ihrem Bruder zurückzukehren. Doch vorerst muss sie einiges über das Anwesen und vor allem über Vaughn, der ein großes Geheimnis birgt, das nicht einmal sein Sohn zu kennen scheint, herausfinden. Ihr neugewonnener Freund Gabriel, einer der Angestellten, hilft Rhine dabei, hinter Vaughns Machenschaften zu kommen, und riskiert sein Leben.

Lauren DeStefanos Wither knüpft in der Tat an das derzeitige Trendthema Dystopien an, doch ist es auch stark an unserer Gegenwart gebunden. Genmanipulation ist seit langem ein Streitthema in unserer Gesellschaft. Ebenfalls umstritten, jedoch in Teilen unserer Welt nicht unüblich, ist Polygamie. Und auch wissen wir um zahlreiche Debatten über minderjährige Mütter. Was den wissenschaftlichen Aspekt angeht, hat die Autorin ordentlich geschummelt, viele Fragen offen, und eine ganz speziell, des Dramas Willen, völlig unnötig entstehen lassen. Warum werden die Mädchen, die nicht verkauft werden können, getötet, obwohl die Menschheit auszusterben droht? Letztendlich ist DeStefanos Idee zu Wither jedoch eine sehr gute gewesen. Zudem hat die Autorin ein paar sehr interessante Individuen kreiert. Lediglich Rhines gespaltene Persönlichkeit hat mich gelegentlich zum Verzweifeln gebracht.

Das Cover des Buches finde ich sehr gelungen. Der Schreibstil ist simpel und angenehm zu lesen. Obwohl ich bei Wither einen guten Abschluss vermisst habe und mir mehr zum wissenschaftlichen Hintergrund gewünscht hätte, fand ich die Geschichte ziemlich gut und werde mich auch der Fortsetzung annehmen. Der zweite Teil der Chemical Garden-Reihe soll am 21. Februar 2012 unter dem Titel Fever veröffentlicht werden. Auf Deutsch wird Wither am 19. September unter dem Titel Totentöchter - Die dritte Generation erscheinen.