Blutrote Schwestern

Es war einmal, vor nicht zu langer Zeit, ein Häuschen voller Wärme und Geborgenheit. Im trauten Heim schenkte Oma March ihren Enkeltöchtern Liebe und Zärtlichkeit. Doch dieser wurden sie beraubt, als sie den Wolf in menschlicher Gestalt geglaubt. Es war einmal, vor nicht zu langer Zeit, ein Häuschen, das Schauplatz wurde großer Grausamkeit.

Mein kurzer Reim beschreibt den Prolog von Jackson Pearces Blutrote Schwestern. Das Vorwort erinnert an das Märchen vom Rotkäppchen, leitet jedoch eine moderne Version, die über "und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" hinausgeht, ein.

Die Schwestern Scarlett und Rosie erfahren als Kinder um die Existenz der Fenris. Sie müssen miterleben, wie der vermeintlich harmlose Vertreter mit der geheimnisvollen Tätowierung am Handgelenk in seiner wahren Gestalt ihre Großmutter ermordet, und können sich nur dank Scarletts mutigem Einsatz retten. Jahre später haben sie ihr Leben der Jagd auf die Fenris (werwolfartige Wesen) und dem Schutz aller ahnungsloser Mädchen verschrieben. Dabei steht ihnen ihr bester Freund Silas zur Seite.

 

Die Essenz von Blutrote Schwestern ist die Beziehung der beiden Schwestern, nicht die Fenris. Obwohl Rosie hart für die Jagd trainiert, hat Scarlett Angst um sie und versucht sie aus dieser rauszuhalten. Als sich jedoch Bedeutendes unter den Fenris zusammenzubrauen scheint, ist Scarlett auf jede Hilfe angewiesen, die sie bekommen kann, und muss ihren Beschützerinstinkt drosseln. Was sie gar nicht mitbekommt, da die Jagd ihr ganzes Leben bestimmt, ist, dass Rosie mehr Sinn in ihrem eigenen braucht. Wonach Rosie genau sucht, wird ihr erst durch Silas klar.

Die alternative Idee zum klassischen Märchen fand ich sehr schön, leider konnte ich mich kaum in Blutrote Schwestern einfühlen. Obwohl die Autorin in die Jagdszenen und auch in die Beschreibung der Fenris sehr viel Leidenschaft einfließen lässt, konnten ich mich nicht dafür begeistern. Die Kämpfe wirken einfach nur plastisch und es fällt schwer, trotz des Hintergrundwissens auch nur das geringste Verständnis für Scarletts blutrauschähnlichen Zustand aufzubringen. Ich musste mich teilweise daran erinnern, dass der Fenri das Monster ist. Interessant fand ich die Entwicklungen in Sachen Geschwisterliebe und Zusammenhalt, sobald die Situation kritischer wurde. Die bedingungslose Loyalität Rosies ist vorbildlich, Scarletts Besessenheit hingegen konnte ich nicht nachvollziehen. Einzig Silas hat mich als Charakter nicht enttäuscht und seine Rolle wächst zum Glück, wenn auch vorhersehbar, im Verlauf der Geschichte.

Blutrote Schwestern ist am 04. Oktober bei PAN Verlag erschienen.