Mercy - Gefangen
- Verfasst von Kathi Weidner
- In: BĂŒcher
- Erschienen am 28 Okt 2011
Mercy, so nennt sie sich zumindest, weiĂ nicht, woher sie kommt, oder wer sie eigentlich ist. Eins weiĂ sie dennoch gewiss: Einen eigenen Körper besitzt sie nicht. Sie ist eine wandernde Seele, die fĂŒr kurze Zeit einen menschliche Körper bewohnt und ihn eben so schnell wieder verlĂ€sst.

Genau das passiert mit ihr und der 16-jĂ€hrigen Carmen. Als Mercy wieder einen klaren Gedanken fassen kann, befindet sie sich im Körper von Carmen, die mit ihrer Jahrgangsstufe der MĂ€dchenschule St. Joseph's zu einem Chorauftritt nach Paradise fĂ€hrt. Das Anpassen an den neuen Körper fĂ€llt Mercy nicht auf Anhieb leicht und auch das Starren der anderen Menschen, als sie von ihrem Gastvater Stewart Daley abgeholt wird, macht ihre Situation nur noch seltsamer. Sie findet schnell heraus, dass Stewart Daleys Tochter, Lauren, vor zwei Jahren entfĂŒhrt wurde und das kleine Kaff Paradise ihren Gastvater unter Verdacht hat. Ryan, Laurens Bruder, hat die Suche nach seiner Schwester nicht aufgegeben. Mercy findet Gefallen an Ryan und ist davon ĂŒberzeugt, dass er Recht hat. Also begibt sie sich neben ihren Chorproben auf die Suche nach Lauren, denn es scheint, als könne nur sie das verschollene MĂ€dchen retten.
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Rebecca Lim hat mit Mercy - Gefangen eine neue Fantasy-Reihe zum Leben erweckt. Mit ihrem leicht verstĂ€ndlichen und teilweise einfachen Schreibstil schafft sie es, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Mercy, die man als wandernde Seele bezeichnen kann, befindet sich zu Beginn des Romans in Carmens Körper, einem MĂ€dchen, das auf dem Weg nach Paradise ist, um dort mit ihrem Chor und denen anderer Schulen ein gemeinsames Konzert auf die Beine zu stellen. WĂ€hrend der Leser Mercy kennenlernt, wird ihm auch bewusst, dass Carmen in eine Art Trance geschickt wurde. So lange Mercy in ihrem Körper lebt, kann sie sich nicht dagegen wehren und muss die (meisten) Entscheidungen von Mercy akzeptieren. Im Laufe des Romans allerdings erkennt der Leser, dass Mercy und Carmen in einer Verbindung stehen, die es den beiden möglich macht, zumindest in minimaler Weise, GefĂŒhle auszutauschen. Dennoch fehlt die Beschreibung dieser Verbindung ein wenig und Mercy bleibt immer die oberste Hand. Man erhĂ€lt trotzdem in Carmens frĂŒheres Leben Einblick, da Mercy ihr Tagebuch und verschiedene Anhaltspunkte entdeckt.
Lim schafft es, das Thema der IdentitĂ€tssuche in die Geschichte einzubetten. Durch ihre lĂŒckenhafte Vergangenheit muss Mercy sich immer und immer wieder mit verschiedenen Körpern und deren Leben identifizieren ohne dabei ĂŒberhaupt zu wissen, wer sie selbst ist. Nur durch seltsame TrĂ€ume erhĂ€lt sie BruchstĂŒcke ihres vergangenen Lebens. WĂ€hrend die TrĂ€ume etwas ĂŒppiger hĂ€tten ausfallen können, sind manche der Chorstunden und auch einige GesprĂ€che zu lang und lassen den Roman teilweise langatmig erscheinen. Das Ende allerdings wird eher im Schnellverfahren abgehandelt und ist doch vorhersehbar. Die Macht, die Mercy dabei erhĂ€lt und verwendet, ist im Gegensatz zur kompletten Geschichte etwas ĂŒbertrieben und passt nicht ganz zu ihrer Entwicklung.
Mercy - Gefangen ist dennoch schön zu lesen und wird die Jugend begeistern. Auch wenn der erste Teil dieser Reihe als abgeschlossen angesehen werden kann, ist man doch auf den zweiten gespannt und hofft mehr ĂŒber Mercy und ihre Herkunft zu erfahren. Das Cover ĂŒberzeugt auf den ersten Blick durch seine Schlichtheit, das hervorstechende, glitzernde Auge verleiht dem Ganzen einen fantastischen Touch.


