Splitterherz

Elisabeth Sturm zieht mit ihren Eltern weg aus der belebten Großstadt Köln in das kleine Dorf Kaulenfeld. ZunĂ€chst entpuppt sich der Umzug als Albtraum. Ellie kann sich nur mĂŒhsam in der neuen Schule zurecht finden, Freundschaften schließt sie nur schleppend und zu all dem kommen schwere MĂŒdigkeit, OhnmachtsanfĂ€lle und Einsamkeit.

Erst als sie Colin trifft, kann sie dem Dorfleben etwas abgewinnen. Ausgerechnet er hat es ihr angetan, der nicht nur arrogant, sondern auch absolut zurĂŒckweisend ist. Trotzdem strahlt er eine Anziehungskraft aus, der Ellie nicht widerstehen kann. Als sie Colin nĂ€her kennenlernt, muss sie jedoch einsehen, dass er ein großes Geheimnis mit sich trĂ€gt, das ihr Leben verĂ€ndert. Doch das ist nicht alles. Sie muss auch erkennen, dass ihr Vater nicht der ist, fĂŒr den sie ihn immer gehalten hat, und dass Colin und er Feinde sind.

Bettina Belitz behandelt ein alltĂ€gliches Thema, das Raum fĂŒr Spekulationen lĂ€sst - unsere TrĂ€ume. In ihrer Welt gibt es Nachtmahre, die sich von TrĂ€umen ernĂ€hren. Nachdem nun viele Romane von Vampirgeschichten geprĂ€gt waren, erschienen die Nachtmahre sehr erfrischend.

 

Das Buch beginnt zunĂ€chst mit einem Umzug aus der Großstadt in ein Dorf. Die Protagonistin Ellie, oder auch Elisa genannt, ist davon jedoch ĂŒberhaupt nicht begeistert. VerstĂ€ndlicherweise kann sie sich am Anfang nur schwer damit abfinden, dass sie ihr Leben in Köln hinter sich lassen musste, um mit ihren Eltern nach Kaulenfeld zu ziehen. Ihre ersten Tage im Dorf sind fĂŒr den Leser sehr verwirrend. Immer wieder fĂ€llt sie in tiefen Schlaf, wird ohnmĂ€chtig und kann sich nur wenig fĂŒr irgendjemanden oder irgendetwas begeistern. Daher erscheint das erste Drittel des Buches eher antriebslos, teils fad oder gar langatmig. Die Begegnungen mit dem dĂŒsteren und geheimnisvollen Colin sind dabei allerdings Leckerbissen, die Lust auf mehr machen. So muss sich der Leser zunĂ€chst durch die ersten 150 Seiten durchbeißen, um dann völlig gefesselt weiterzulesen. Im zweiten Drittel des Buches steigt die Spannung, die Begegnungen mit Colin sind nicht mehr nur zufĂ€llig und es entwickelt sich eine mitreißende Beziehung zwischen der jungen, manchmal sturen und zickigen Ellie und dem reifen, unantastbaren Colin.

Belitz kreiert einen ersten besonderen Klimax, als Colin Ellies Vater kennenlernt. Ab diesem Moment ist es dem Leser nicht mehr möglich, das Buch aus der Hand zu legen. Die MĂŒdigkeit und OhnmachtsanfĂ€lle, die zu Beginn fĂŒr Verwirrung sorgten, können nun nachvollzogen werden. Alles ergibt nach und nach einen Sinn. Je mehr man liest, umso mehr kann man das Ende nicht mehr abwarten. Das Buch endet aber eher offen, es lĂ€sst großen Spielraum fĂŒr die Fortsetzung. Dem Leser und seinen Spekulationen sind keine Grenzen gesetzt.

Der Schreibstil ist sowohl spannend und tiefgrĂŒndig, als auch harmonisch und humorvoll. Belitz beschreibt die Gegenden so, als wĂ€re man genau dort. Manche Passagen sind allerdings etwas langatmig. Einige SĂ€tze und Beschreibungen könnte man streichen, ohne dass man der Situation etwas wegnimmt. Dennoch ist Splitterherz sehr flĂŒssig zu lesen und leicht verstĂ€ndlich.

Mit den Charakteren erschafft Belitz völlig neue Welten. Viele munkelten, Colin und Ellie wÀren ein Abklatsch von Edward und Bella aus der Twilight-Saga, doch das kann widerlegt werden. Sicherlich gibt es einige Parallellen. Colin ist der geheimnisvolle, unnahbare Junge, den kein MÀdchen bekommen kann, und Ellie diejenige, die durch den Umzug ins Dorf auffÀllt und die einzige ist, die einen Draht zu Colin hat. Dies sind aber auch die einzigen Parallellen, die vorzufinden sind. Die beiden Charaktere sind Teil einer neu erschaffenen Welt, die mit Vampiren oder Werwölfen nichts zu tun haben.

In die Protagonistin Ellie kann man sich sofort hineinversetzen. Der Umzug ist nicht leicht, sie muss ihr Leben in Köln aufgeben und sich ein neues in Kaulenfeld aufbauen. VerstĂ€ndlich, dass dies nicht von Anfang an so klappt, wie man es sich erhofft. WĂ€hrend Ellie zu Beginn eher stur und eigensinnig ist, kann der Leser im Verlauf eine Entwicklung erkennen und schließt Ellie und ihr Schicksal ins Herz. Auch der schweigsame und steif wirkende Colin kann die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen. Gespannt warter der Leser auf mehr, mehr Informationen ĂŒber Colins Leben, die Beziehung zu Ellie und das Schicksal, das beide auf eine harte Probe stellt.

Splitterherz ist trotz der leichten Kritik zu empfehlen, da es mitreißt und Lust auf mehr macht. Die Welt der Nachtmahre entpuppt sich als packend und fesselnd. Das Cover erscheint auf den ersten Blick eher schlicht, auf den zweiten jedoch wirkt es kunst- und liebevoll.