"Game of Thrones": Eine Serienperle, von der wir noch sehr viel hören werden
- Verfasst von Alexandra Hoer
- In: Serien-Vorstellung
- Erschienen am 11 Nov 2011
Wenn das altbekannte HBO-Logo mit einem Zischen auf dem Bildschirm aufflackert, ergreift mich schon die Vorfreude, stehen die drei Buchstaben doch für exzellente Fernsehunterhaltung. Nur ist es diesmal nicht True Blood, das über meinen Fernseher flackert, sondern der Serien-Neuling Game of Thrones, die filmische Umsetzung der Buchreihe Das Lied von Feuer und Eis.

König Robert Baratheon hat den langen Kampf um den eisernen Thron für sich entscheiden können und doch ist nie wirklich Ruhe auf dem Kontinent Westeros eingekehrt. Als plötzlich die Hand des Königs, sein engster Vertrauter und Berater, einem Fieber erliegt, scheinen die unterschwelligen Unruhen vollends auszubrechen und die Machtkämpfe von Neuem zu beginnen. Um das Gleichgewicht zwischen den Königreichen zu halten und die Lücke, die Jon Arryn hinterlassen hat, zu schließen, bittet Robert Baratheon seinen engen Freund Eddard Stark, mit ihm nach King’s Landing zu kommen, um dort als neue Hand des Königs zu fungieren. Doch lässt „Ed“ Stark Frau und Kinder nur ungern in Winterfell zurück. Vor allem, da er sich sehr wohl darüber bewusst ist, wie intrigant der Hof und vor allem auch Königin Cersei Lannister und ihre Familie sind, die schon ewig nach Thron und Macht streben. Doch auch die Geschwister Viserys und Daenerys Targaryen planen, das Meer nach Westeros zu überqueren und den Thron, der ihnen gestohlen wurde, zurückzufordern.
Obwohl die Grundgeschichte bei weitem nicht so blutig und brutal klingt wie True Blood, wird schnell klar, dass die Serie seinem HBO-Vorgänger in nichts nachstehen wird. Was zum einen wieder an der nicht ganz jugendfreien Umsetzung der Bücher liegt – schon in der ersten Folge verlieren einige Soldaten ihre Köpfe und leichte Damen ihre Kleidung –, und zum anderen an der durchweg gelungenen, sehr starlastigen Besetzung. Die Rolle des Eddard Stark wird von niemand anderem als Sean Bean verkörpert, vielen besser bekannt als Boromir aus Der Herr der Ringe. Ein ebenfalls sehr bekannter Name wäre Lena Headey, die auch Königin Gorgo in Frank Millers 300 spielte und somit ihrer Paraderolle treu bleibt. Sie spielt derart überzeugend, dass man ihr zu jeder Zeit die Rolle der schönen und doch durchtriebenen Königin Cersei abnimmt und sich fragt, was für eine Intrige sie als Nächstes ausheckt. Auch alte Bekannte aus den Harry Potter-Filmen werden wir wiedertreffen. Sowohl Natalia Tena, die Nymphadora Tonks verkörperte, als auch David Bradley, der den Hausmeister Argus Filch spielte, sind in kleineren, aber auch wiederkehrende Rollen zu bewundern. Außerdem ist die deutsch-türkische Schauspielerin Sibil Kekilli in der Rolle der Shae zu sehen und liefert eine solide Leistung ab.
Allerdings verdienen die eher unbekannten Gesichter wie Emilia Clarke fast schon die meiste Aufmerksamkeit. Bereits ab der ersten Folge spielt sie ihre Rolle Daenerys unheimlich authentisch, man erlebt praktisch die Entwicklung der stillen, kleinen Schwester von Viserys zur Khalessi und Frau von Khal Drogo hautnah und sehr lebhaft mit. Man kann nicht anders, als mit ihr mitzufühlen, zu trauern und zu lachen. Solche kleinen Schauspielerperlen machen Game of Thrones derart authentisch.Â

Die Menschen in der Serie sind echt, greifbar und zu keinem Zeitpunkt überkünstelt. Man kann nicht anders, als den Sohn der Königin zu hassen, Daenerys zu lieben und sich auch nicht den Sympathien für Khal Drogo entziehen, wenn er seine harte Schale für Daenerys öffnet. Denn keine der Emotionen, die wir in den zehn Folgen der kurzen ersten Staffel erleben, fühlen sich falsch oder gekünstelt an.
Die Kostüme und Requisiten bilden hier den krönenden Abschluss und unterstreichen die Stimmung der Serie perfekt. Kaum zu glauben, dass die Produktion trotzdem weniger verschlungen haben soll als die Serie Xena, die bei weitem nicht so aufwendig produziert war.
Meine letzten lobenden Worte richte ich dann trotzdem noch an die deutsche Synchronisation. Hier hat das deutsche Synchronstudio ganze Arbeit geleistet. Selten wurde eine Serie derart zu den Charakteren passend synchronisiert. Der einzige Wermutstropfen bei der deutschen Version ist die Eindeutschung der Namen. So wird zum Beispiel aus Jon Snow, Jon Schnee, was die Atmosphäre dann doch ein wenig einbüßt.
Unterm Strich sei aber gesagt: Wir haben hier eine Serienperle, von der wir noch sehr viel hören werden. Seit Juni wird aktiv an Staffel 2 gedreht, die im April 2012 in den USA starten soll. Vielleicht haben bis dahin ja auch alle die Chance gehabt, die Serie im Free-TV genießen zu können, was bei der Freizügigkeit der Serie allerdings fraglich ist. Das war allerdings auch bei True Blood kein Hindernis.
So lange heißt es mittwochs auf TNT-Serie: "Winter is coming…"


